Handball: Lutz Weßeling trifft gegen den OHV Aurich zwei Sekunden vor Schluss zum 26:25

Veröffentlicht von

Schalksmühle – Während Mannschaft und Trainer ausgelassen feierten, atmete Co-Trainer Hans-Peter Müller ganz tief durch und schüttelte den Kopf. „Heute haben wir Riesenglück gehabt“, stellte Müller nach dem 26:25 (12:13)-Zittersieg der SG Schalksmühle-Halver gegen den OHV Aurich fest. Erst ein Tor von Lutz Weßeling zwei Sekunden vor dem Ende rettete der SGSH den doppelten Punktgewinn.

Des einen Freud, des anderen Leid: Aurichs Coach Arek Blacha flüchtete sich nach der Partie erst einmal zu einer Zigarette und ein bisschen frischer Luft. „Die Jungs haben ein Superspiel gemacht. Ich bin stolz auf sie“, sagte der polnische Ex-Nationalspieler, „aber solche Verluste kannst du halt nicht kompensieren. Wir wollen ja nicht jammern. Aber am Ende zählt das Ergebnis. Und da bleiben die Punkte in Schalksmühle.“ Und dann atmete auch Blacha tief durch und stellte fest: „Da verliere ich lieber mit zehn Toren. So zu verlieren, das ist so schmerzhaft…“

Die Partie am Löh war zwar einerseits die Partie zweier Anwärter für einen Platz im vorderen Mittelfeld. Andererseits aber sprachen die Vorzeichen für den Gastgeber. Der musste zwar Keeper Formella und Diehl (beide verletzt) ersetzen, doch Trainer Stefan Neff hatte einen 14er-Kader zur Verfügung. Der Gast dagegen war nach dem grippebedingten Ausfall des bis dato besten Feldtorschützen Kevin Wendlandt (36) nur mit neun Feldspielern angereist, von denen nur sechs zum engen Drittliga-Kader gehören. Die Ausfall-Liste (Mikeci, Bachmann, Seidler) war ja schon vorher so lang gewesen bei den Ostfriesen, die grundsätzlich vier Spieler weniger als die SGSH im Kader haben.

Starke Partie in der Rückraum-Mitte: Alexandre Brüning.

© Baankreis

Doch allen Personalproblemen zum Trotz machte der OHV am Löh ein richtig gutes Spiel. Die erste Sechs hatte Qualität – Crnic und Oroz leisteten sich von den Außenpositionen keinen einzigen Fehlwurf über 60 Minuten, der Rückraum mit Jordan, Schweigart und de Buhr hatte lange eine sehr geringe Fehlerquote. Die SGSH-Defensive tat sich schwer gegen diesen abgezockten Gegner. Schon nach einer Viertelstunde stellte Stefan Neff die Abwehr vom 5:1-Format auf eine 6:0-Formation um. Aber die Partie, die immer eng war, blieb ungemein zäh, weil die Auricher ob ihrer Besetzung das Tempo bis an die Schmerzgrenze verschleppten.

Die SGSH gewann defensiv kaum Bälle, weshalb sie in der Vorwärtsbewegung nicht noch aufs Tempo drücken konnte. Im aufgebauten Angriff nahm das Spiel sehrwohl Tempo auf. Brüning kurbelte das Spiel gut an, Weßeling und Jorajuria trafen. Es war kein schwacher Auftritt, aber er reichte zunächst nicht, um besser zu sein als ein starker Gast. Auch deshalb nicht, weil Nicholas Plessers keine Hand an den Ball bekam und auch Fabian Hecker offensiv keinen guten Tag erwischt hatte. „Das 13:12 für Aurich zur Pause war verdient“, gestand Stefan Neff ein.

Nach dem Wechsel startete die SGSH besser (16:14, 35.). Lukas Hüller machte nun viel Betrieb in der Rückraum-Mitte, Dominik Spannekrebs ersetzte Lutz Weßeling, Todor Ruskov kam im rechten Rückraum für Fabian Hecker. So legte die SGSH nun immer ein bis zwei Tore vor und wartete auf den Einbruch des Ostfriesen-Rumpfteams. Vergeblich: Der OHV, der in der Vorwoche in einer ähnlichen Partie gegen die Bergischen Panther lange mitgehalten, dann aber doch deutlich verloren hatte, gab nicht auf. Auch nicht, als Lutz Weßeling nach 54 Minuten das 25:22 gelang. „Das war der Moment, in dem ich dachte: Jetzt haben wir sie. Jetzt brechen sie weg“, sagte Hans-Peter Müller, der mit dem Auftritt im Gesamten nicht zufrieden sein wollte, später, „aber dann haben wir den Gegner wieder mit unseren Fehlern stark gemacht.“

Erzielte seine vier Treffer vor dem Wechsel: Inigo Jorajuria.

© Baankreis

Deja-vu: Wie gegen Volmetal und in Menden wackelte die SGSH auf einmal aus dem Nichts. Vorne wollte der Ball nicht mehr ins Tor finden, hinten bekam der Gastgeber den Laden nicht mehr dicht. Oroz, de Buhr und Schröder schafften mit ihren Treffern den 25:25-Ausgleich. Das war verdient für einen Gast, der nie aufsteckte und der gefühlt diesen einen Punkt verdient gehabt hätte. Als dann beim 25:25 der belgische Nationalkeeper Denert gegen Hüller parierte, ging der OHV sogar mit Ballbesitz in die letzte Minute. Bei angezeigtem Zeitspiel fanden die Auricher Kreisläufer Schröder, dessen Rückhandwurf unter Bedrängnis aber übers Tor ging. 

Vielleicht hätten die Unparteiischen Heine und Standke aus Braunschweig hier einen Freiwurf für den Gast geben können. Vielleicht hätten sie auch im Gegenzug 15 Sekunden vor dem Ende ein Tor von Alexandre Brüning geben müssen, dem sie aber aus nicht geklärten Gründen die Anerkennung verweigerten. Die SGSH erhielt dafür einen Freiwurf, die Uhr lief herunter, als sich Lutz Weßeling den letzten Wurf nahm. Zwei Sekunden vor dem Ende, sieben Meter Entfernung, brachial ins kurze Eck. Das 26. Tor des Abends für die SGSH war das mit dem größten Widerhall. Es machte die Sporthalle Löh zum Tollhaus – und die Auricher zu besonders traurigen Verlierern.



Die folgenden Informationen stammen von https://www.come-on.de/sport/lokalsport/handball-lutz-wesseling-trifft-gegen-aurich-zwei-sekunden-schluss-2625-8795414.html



Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.